Große Sprüche und die Aktualität alter Gräber

Gunter Czisch, der Finanzbürgermeister der Stadt Ulm, obendrein eine ulkige Figur der Kommunalpolitik, hat trotz seiner bescheidenen Erscheinung im Bossanzug einen deutlichen Hang zum Sprücheklopfen. Er ist nämlich gerade dabei, das Rathaus zu digitalisieren. Diese zeitgemäße Verrichtung verführte den Amtsträger zu der vollmundigen Parole:
„Eine Stadt erfindet sich neu.“ Immer grob klotzen, klar. Klingt wie ein abgegriffener Werbeslogan der 80er Jahre. Damals trug man noch den übelsten Optimismus zur Schau. es war Yuppietime. Boris Groys schrieb danmals sein berühmtes Buch: „die Erfindung Russlands“. Das hat der Hobbyschlagzeuger Czisch bestimmt nicht gelesen, denn er zählt ohnenhin nicht zu den Lesern, aber er hört fleißig Radio 7, sein Lieblings-Sender, und dort spricht sich ja alles irgendwie immer herum.
Also wird es sich wie meistens bei Gunter Czisch um nichts als heiße Luft handeln. Interessant daran nur, dass er sich jetzt wohl immer öfter aus seinem Bürokratengehäuse heraustrauen will. Seine verdruckte Natur immer öfter zu den Leuten Gassi führen will. Denn, so wird seit langem gemunkelt, G.Czisch will der nächste Oberbürgermeister hier in der Münsterstadt werden. Die CDU hat keinen anderen, und von auswärts meldet sich auch keiner mehr. Dort gilt Ulm in der Politik wie auf dem Stadttheater als ausgelutschte Karriere-Sackgasse. Ob das die Ulmerinnen und Ulmer merken werden, dass ihnen mit Czisch buchstäblich ein Notnagel serviert werden soll? An mir soll’s nicht liegen. Denn gedenket, was wir für den honorigen Dampfplauderer Ivo Gönner,der sich gottseidank nicht noch einmal aufstellen darf,für einen Ersatzmann bekämen? Einen politischen Laienprediger,einen Langweiler, der die Stadt noch weiter in ihre schlimme Schlafkrankheit hineintreiben würde. Es ist heute schon so, dass, wenn Czisch bei irgendeiner Gelegenheit euphemistisch wie üblich von Innovationsregion oder Wissenschafsstadt faselt, die vordersten Reihen sofort in ein lähmendes, entsetzliches Gähnen ausbrechen. Er ist beratungsresistent und zu geizig, sich wenigstens zweimal die Woche zu einem Mediencoach zu begeben. Ich war so freundlich, ihm diesbezüglich ein supergünstiges Angebot zu unterbreiten. Einen Crashkurs in deutscher Grammatik und zeitgemäßer Körpersprache schlug ich ihm vor, für ein paar schlappe Tausender pro Woche. Ein Schnäppchen. Denn bei ihm wäre sehr viel zu tun,man müsste schon beim Grüßen anfangen, ja ihn ab ovo gewissermaßen total umkrempeln. Aber er will das nicht glauben,er hofft noch immer, dass ihm bald eine billige Software hilft, seine krassen, persönlichen Defizite zu beheben.

Einst übetrieben nur die Komiker die Realität, um diese kenntlicher zu machen.Heute besorgen die Objekte der Satire selbst den Stoff zum Lachen. Für Gottes Lohn, versteht sich, vollkommen unbewusst und ganz und gar unfreiwillig.

Eine ungleich brisantere Meldung mit viel mehr Substanz erreicht uns heute aus den ältesten Gräbern der Steinzeit. Nämlich: schon unsere Vorfahren in der Jungsteinzeit litten an Zahnfäulnis, also an Karies.Bisher nahm die Wissenschaft in den Gräbern immer an, dass Karies erst mit der Sesshaftigkeit, also in der Epoche des Ackerbaues,entstanden sei. Irrtum, ab heute falsifiziert.
Man sieht, auch aus den aller-ältesten, morschesten Knochen gelangen immer wieder top-aktuelle Neuigkeiten in unsere Tage herein, um uns mores und Pietät zu lehren. Nachrichten, die direkt aus den Büros des hl. Geistes herrühren.

Advertisements

Kommentar verfassen

Bitte logge dich mit einer dieser Methoden ein, um deinen Kommentar zu veröffentlichen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s