Metaphern der Augenhöhe

zuerst, ich erinnere mich, schien mir die Metapher auf Augenhöhen nicht ganz übel. Auch wenn sie nicht von einem Dichter, sondern nur von einem Fabrikarbeiter des Geistes ins Spiel gebracht wurde. Warum soll ein solcher nicht auch einmal einen Trüffel finden? Dachte ich noch.-
Fairness, gegenseitige Achtung, Respekt und Höflichkeit wollte sie ausdrücken,
die Metapher.

Als dann aber sehr bald Borussia Dortmund gegen Bayern ausgerechnet auf dieser zarten Höhe sich wie Mann gegen Mann bekämpften, als dann eine berühmte Feministin in einer Sextalkshow auch noch das Vögeln auf Augenhöhe zur ethischen Pflicht erheben wollte, wusste ich, du kannst es wieder begraben, das Bild. Es hatte nur eine kurze Lebensfrist auf Erden. Wer jetzt die Metapher noch weiter in Gebrauch nimmt, bezeugt nur seine sprachliche Unempfindlichkeit, ist zu grob, um fürs Deutsche wieder in Frage zu kommen. Hör genau hin, sagte ich mir, wer die wörtliche Leiche noch immer im Betrieb nimmt. Und das geht bis heute stotternd weiter mit der Schindmähre.

Im Sommer saß ich dann mit meinem Freund, dem Maler Hartmut Riederer, im Hirschgarten (München) und erzählte ihm von der Komödie in der Sprache. Jeder Gratler, der eine Würstchenbude an der Ecke hat,beansprucht heutzutage für seine Qualität die Pole-Position.
Freund Hartmut, der Maler, der sich schon seit Jahren aus der Welt der Aktualitäten und Attraktionen verabschiedet hat, hatte den Begriff noch gar nicht gehört und ließ mich weiter über das Rennfahrer-Ziel Witze reißen. Einen Tag später aber schickte er mir seine Bildmontage, um seine Hauptfigur, den Kasper, herum, – da sprang mich plötzlich ein letzter Sinn der Metapher an. So verstand ich sie endlich:

Poleposition

Ähnlich erging es mir mit dem Wort eyecatcher, ein beliebter Ausdruck aus der Grafikerszene. Damit meinen die Gebrauchskünstler eine Bild-Idee, die einen sofort anspringt und gefangen hält. Ein Bild, dem sofort ein kollektives Aha respondiert. Solch ein Bild muss es jedes Mal sein, dann können wir auch ein saftiges Honorar einstreichen, sagen sich die Marketingleute und Grafiker, denn der Kunde wird erfolgreich damit sein. Rein innerbetrieblich also eine klare Sache, ein definitiver Geschäftszweck. Bald aber wanderte die Metapher aus und besetzte alle möglichen Felder. Die Kunstkritik, der globale Tourismus griffen sofort zu, auch die Fernsehwerbung versuchte fortan lauter eye-catcher in die Programme zu bringen. Die Bilder erzählten nicht mehr viel, sondern sie machten jeden und jede prompt an, oft in obszöner Weise. Da war es wieder mein Freund Riederer, der dem Ausdruck seine Unschuld zurückgab.

Riederer Augenangeln

Diese kindliche Fassung war ihm aber nicht genug, er schuf auch noch eine moderne, ja ich möchte sagen eine Pariser Fassung, die den Film und die leere Leinwand mit in Szene setzt, das Männchen vor dem Bildnis ist wörtlich platt. :

Riederer Spitzen 2

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