Die Geschichte lehrt, sagt man

oder die Geschichte sagt, lehrt man noch besser. Sie leert das Wissen über sich aus, wir wissen eine Menge schon wieder. Wir wissen z.B auch aus einem Briefwechsel Picassos, dass er schon bald kein malerisches Interesse mehr an Verdun hatte, einen entsprechenden Auftrag, also ein Verdun- Motiv für ein Bild lehnte er ab.

Dagegen: Von Versailles lernen, das versuchen wir schon ein halbes Jahrhundert lang, seit ich denken kann ist dieses Denkthema immer wieder auf die Agenda gekommen.

Heute empfiehlt mir ein Leitartikler einer Provinzzeitung, ich möge doch bitte auch von Verdun etwas lernen. Bedenken bitte, wann der Europagedanke dringend, ja brennend dringlich geworden war. Auf den Schlachtfeldern von Sedan und Verdun nämlich. Und wo sind wir heute? Bei einem sicher komplex problematischen Euro-Europa. Sicher,der Leitartikler steht zu diesem nicht gerade gesunden Europa.Er bleibt bei der Stange, sagt man, er steht dazu.
An diesem heutigen Europa könne man sicher einiges kritisieren, aber auf Stammtischniveau könne man damit nicht fertig werden. Ja natürlich, wie kommt er überhaupt auf dieses Stammtischniveau? Er kommt auf die Ängste im wohlhabenden Europa vor all dem wandernden Volk. Wenn die armen Leute aus dem Süden dann alle zu uns kommen, was dann? – so bangen viele Leute.
Das sei engstirnig, viel problematischer sei, so der Leitartikler, viel mehr zu fürchten sei, welche gewalttätigen und politischen Bewegungen mit der wachsenden Armut im Süden Europas mit herauf aufkommen könnten. Auch zu uns? Das Gespenst eines neuen Faschismus, die Natternbrut giftiger aggressiver Nationalismen, denn wenn das Volk nichts mehr zu essen hat, sagte schon Brecht, dann braucht es ein Opium, eine spezielle Religion oder eine Erlösungspartei, wie immer sich die dann nennen mag.
Also füttert die Armen im Süden, bezahlt ihnen neue Sozialstrukturen, ihr wohlhabenden Deutschen. Denn natürlich könnt ihr den Karren nicht ganz allein aus dem Dreck ziehen, aber es ist der einzige Weg, Leute. Wollt ihr neue Schlachtfelder, neue virtuelle Verduns? So der Leitartikler, immer deutlicher zwischen den Zeilen.

Er ist ein friedlicher Mensch, vermutlich aus der Loveandpeace Generation stammend. Doch Verdun taugt nicht mehr als Bild, es gehört als festes Glied längst dem Fremdenverkehr und dem globalen Tourismus. Als ich das letzte Mal dort war, kamen gerade viele Busse mit Japanern zum Gedenkfriedhof. Da wusste ich, Verdun ist tot, eine Schädelstätte der Fotografie und der Historie. Nichts zu machen. Voll Ingrimm lenkte ich mein Bewusstsein wieder Versailles zu, weiter lernen an Versailles. Nach dem Schlachtfeldern der gemeine Vertrag, besonders für uns Deutsche. Ohne Ressentiment gegen die Sieger von damals, dürfen wir im heutigen EU-Europa das Büßerhemd jetzt ausziehen. Nicht ungeniert, aber doch ausziehen. Verdun war das barbarische Europa, Versailles das gespaltene, rach- und raubsüchtige, das wiederum in den scheußlichen Hitlerismus führte. Totalschaden. Ruinenlandschaften in ganz Europa.

Jetzt, wie wieder aufstehen, zumal als Deutsche, nach dem Massenmord. Lange Zeit mussten wir das Geradestehen mühsam neu lernen, dafü;r stehen wir heute,sagen einige, nicht gerade ganz gerade, aber schon wieder ganz gut da. Eigentlich sind wir gerade Weltmeister geworden in Austeritätsklugheit und auch beim Kugelstoß;en der Diplomaten sind wir an der Spitze mit ganz vorn. Aber wir sollen uns nicht so laut freuen, mahnen uns unsere politischen Prediger mit ihren alten Bärten noch aus dem kalten Krieg .
Doch ist schon wahr auch, dass der Deutsche in der Gruppe erfahrungsgemäß; leicht ordinär wird und etwas Gröhlendes bekommt, in Gestik, Charakter und der ganzen Körpersprache.

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