Wohin mit dem Segen?

Überall, wo man hinkommt, diese Gesundheitswünsche. Dieser Tage.Nichts als Gesundheit wünschen sie sich, das sei die Hauptsache, sicher Erfolg ist natürlich das Optimale, doch darüber redet man nicht ganz so laut. Anders steht es mit „Gottes Segen“, diese Wendung verschwindet allmählich, kommt nur noch in Klerikerkreisen eigentlich vor. Auch mit dem Glück ist man vorsichtiger geworden, fällt mir auf. Glück, was heißt das schon, ist das nicht ein schwammiger Begriff inzwischen, den der deutsche Schlager zu Tode geritten hat. Und selbst im Schlager hat sich ein Wertewandel vollzogen sozusagen, eine Verschiebung des Glücks, meistens strahlendes C-Dur, in die Molltonarten der tausend Probleme. Trost. Diesen flüstern die Wünsche zum neuen Jahr oft nur.
Es ist ein Streicheln und Beruhigen mehr als ein Wünschen. Zu Wünschen muss man wohl Kind geblieben sein. In der Aura des Wunders weiter existieren. .
Also, wohin mit dem Segen?
Selbst ein ausgewachsener CSU-Mann redet lieber vom Netz und wie er darin steckt,nämlich total, als ohne Not und Verpflichtung direkt von „Gottes Segen“ was zu labern.. Diesem Wunsch fehlt die gesellschaftliche Akzeptanz und Coolness irgendwo, sagt sich jedermann von einem gewissen Rang.
Segen überhaupt, schon das Wort, ist irgendwo obsolet geworden in einer Zivilgesellschaft, die immerzu nach vorne schaut, an neue Projekte denkt und des Bürgers Begehren fördert und stützt, wo sie kann.
Der Bürger, der Steuerzahler, der Verbraucher und der Kunde sind die beliebtesten Ansprechpartner und Satz-Objekte. Hinter ihren Gartenzäunen verbergen sich Vertreter hellerer und dunklerer Mächte. Wissenschaftler, Konzernherrn, Geheimagenten und Reklamefritzen. Hinter der Imagewerbung sozusagen. Man wäre gespannt, was diese Leute der profanen Hinterwelt sich wünschen, dieser Tage.
Aber wahrscheinlich sprechen sie englisch, „Good luck“ oder „very nice days“. Damit wäre uns nicht viel gesagt. Health käme bestimmt auch darin vor.
Die Gesundheit, wie gesagt, bei der soll es bleiben, aber es wird nicht mehr lange dauern, dann fühlen sich die Kranken und die Patienten-Gruppen diskriminiert, gekränkt von dem ständigen Gesundheitsjubel. Noch spielen sie ja mit, ich habe erst vor zwei Tagen erlebt, dass zwei Schwerkranke, Sterbenskranke müsste man sagen, sich an der Ecke beim Brotmuseum viel Gesundheit wünschten, Hauptsache Gesundheit, sagten auch sie.
Ja, die Wünsche sind im allgemeinen sehr bürgerlich geworden, sie drücken sich an der alten Nächstenliebe vorbei, klingen schon ein bisschen sozial-romantisch, sind aber immer mehr kunden-orientiert. Hoffentlich geht alles gut weiter und kein Unglück trifft uns. Das ist die Essenz des Wünschens, die ich in den Straßen und Gässchen hier beim Brotmuseum vernehmen konnte. Vernehmen ist hier wirklich das genaue Wort.

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2 Gedanken zu “Wohin mit dem Segen?

  1. Wer kann noch unterscheiden … ob die Wünsche vom Herzen kommen … oder einfach nur pauschalisiert werden!?
    Alles Gute!
    Alles nur erdenklich Gute!
    Viel Gesundheit und so weiter …

    Was aber ist gut … mag sich Mancheiner fragen.
    Was heißt es überhaupt .. gesund zu sein?
    Klar .. Manche möchten lange leben … Andere möchten es hinter sich gebracht wissen.
    Gehen diese Wünsche eigentlich jemals in Erfüllung?

    So hoffen wir .. und hoffen … und schließlich .. muss man sein Bündel .. das man sich meistens auch noch selber geschnürt hat … tragen … bis man bereit ist … sich vom materiellem Denken abzuwenden … und dadurch wirklich gesundet.
    Viel Gesundheit wünsche ich dir.

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  2. gut dargestellt!
    all diese Wünsche betreffen den Körper, oder noch den persönlichen wirtschaftlichen Erfolg.
    Das wars.
    ..kommt keiner mehr auf die Idee, daß all das vergänglich und somit nur zeitlich relevant ist.
    traurig.
    Niemand wünscht einem beispielweise Glück bei einer geistigen,oder seelischen Weiterentwicklung, …was viel naheliegender, und sinnvoller wäre.

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