30 Jahre Privatfernsehen

ist das auch ein Jubiläum oder doch eher ein schändliches Datum? Auf diese Frage möchte sich der Kulturchef der Südwestpresse nicht festlegen lassen. Auch an Selbstkritik denkt er gar nicht, etwa mit der überfälligen Frage: Wie sehr haben die privaten Medien die Regionalzeitungen ruiniert und zu hündischen Trittbrettfahrern degradiert? Oh, nein, so etwas fragt man nicht. Stattdessen beruhigt er uns, das Abendland sei schließlich immer noch nicht untergegangen. Was weiß er, muss das Abendland nicht längst untergegangen sein, bevor man die Verblödungsmaschinerie anwerfen konnte? Aber es ist ja auch lustig, er formuliert wie ein Erstklässler bei RTL: „ Die Menschheit war vor dem Privatfernsehen grundsätzlich auch nicht intellektueller.“
Gong! Wie bitte, wer sagt, dass die Menschheit je ein Intellektueller sein wollte? Spricht der Kulturchef hier unbewusst von sich selbst? Will er auch wie Viele jetzt, intellektueller werden?
Im Ernst, ich fürchte, der Jasager verliert vor lauter Abwägerei, – einerseits andererseits,- nicht nur sein Thema, sondern auch noch seinen Verstand.

Zu diesem Artikel aber passt der Neujahrs Event im Ulmer Rathaus, wo die Oberbürgermeister der beiden Donaustädte wieder mächtig auf den alten Lukas hauen konnten. Es gab auch schon gleich Bier in aller Früh. Noerenberg bevorzugt den Menschen, vor neuen Häusern und Infrastrukturen noch. Der Mensch „an sich“ wurde wieder einmal sein Thema. Dann holt er plötzlich die Rassel aus seiner Tasche und schreit in den Saal. „ Neu Ulm bricht auf.“ Unglaublich, aber wohin bricht es denn auf? Dieses unglaubliche Neu Ulm, von dem immer mehr Leute schon einmal etwas gehört haben. Noerenberg erwähnt auch gleich noch die Donaustrategie, der man in Neu Ulm zutiefst verpflichtet sei. Da triefte es am Schluss dann wieder ein bisschen.
Dann widmete er sich endlich dem Frühstücksbuffet, das der Hobbygastronom Becker herrichten durfte.
Noerenberg hat in kurzen Hosen, bildlich gesprochen, seine alte fesche Flagge gezeigt, er ist konservativ und trotzdem hochmodern, die „Leite“ applaudierten mäßig. Dann kam der eigentliche Festredner, der Gönner, der gerne öffentlich seine politischen Gefühle zum Besten gibt. Er zeigt sich gerne als Weltmann, als genius loci jenseits vom Tellerrand, gell. Er erinnert an die schweren Stunden, 1. Weltkrieg, die falschen Ideen damals, der 2. Weltkrieg, lauter Gedenktage heuer. Dann noch 25 Jahre Mauerfall. Auch daran hat Ulm mitgewirkt, irgendwie, jetzt dachte ich, kommt er gleich noch zum „Weitblick“, der große Ulmer Marketingaktion, aber nein, er schwang sich vom Ross und kam ganz leger auf kleinere Dinge zu sprechen. Auf die Straßenbahnlinie, die Sedelhöfe undsoweiter und natürlich, die Wissenschaftsstadt,die darf man nie vergessen, die müsse auch weiter entwickelt werden.
Dasselbe Noerenbergproblem, er vergisst, wohin denn? Wohin denn soll die Entwicklung gehen? Herr Ivo. Schließlich kommt er zu einem Herzensanliegen, die Demokratie, er appelliert an alle Sorgenfalten im Gau: aufpassen mit der Demokratie, die darf net kaputt gange, Leit, basset auf. Gönner als Musterdemokrat, natürlich, seine Paraderolle.
Ausgerechnet er schwärmt von der Demokratie, wo er die Pöstchen um sich herum gern nach Gutsherrenart verteilt. Weil die Demokratie zu ängstlich und zu ernst nehmen, das wäre auch falsch, denkt der Gönner sich.. Aber lassen wir das. Gönner versteht Demokratie ohnehin ganz anders. Viel plakativer. Demokratie ist für ihn eine Monstranz, die er ein paar Mal im Jahr mit priesterlichem Pathos hochhalten darf. Das liebt er, davon spricht er. Er sagt immer dasselbe, aber die Leute lieben seinen Sound. Er ist ein Darling der Menge. Wie der Campino, eine „tote Hose“ der Kommunalpolitik.Das muss ihm der Neid einfach lassen.

Er meint es gut, meint man. Erst jüngst traf ich eine Dame der Gesellschaft, am Brotmuseum, wie man so redet, doch plötzlich, als ich mir einen leichten Scherz über Herrn Gönner erlaubte, verstimmte das die Dame spontan. Ihre Miene verdunkelte sich sofort.
Natürlich, der Ivo ist ein Freund der Frauen, er redet immer gut über alle Frauen.
Aber als er zu diesem Thema kam, musste ich schon weg, ein anderer Pressetermin, ich hätte vielleicht auch noch gewartet, aber das Buffet des Hobbygastronomen reizte mich sowieso nicht.

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